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+++ Stacca la Spina! +++ Unplug! +++ Stecker ziehen! +++
urgewald beteiligt sich an internationalen Protesten gegen die Atompläne des italienischen Stromkonzerns ENEL
urgewald protestierte vor der italienischen Botschaft in Berlin am 8. November


Fotos: Alexandra Scheper
Am 8. November demonstrieren Umweltorganisationen europaweit vor den italienischen Botschaften ihrer Hauptstädte. Der Protest richtet sich gegen den Stromkonzern Enel, der zu über 30 Prozent dem italienischen Staat gehört und massiv in unsichere Atomkraftwerke in Osteuropa investieren will. „Stacca la spina!“ (Zieh den Stecker!) heißt die Kampagne, die mit ihrem Datum an Italiens Anti-Atom-Referendum erinnert.
Vor genau 20 Jahren, am 8.11.1987, haben sich 70 Prozent der ItalienerInnen bei einer Volksabstimmung gegen Atomkraft ausgesprochen. So wurde Italien ein Jahr nach Tschernobyl das erste europäische Land, das aus der Kernenergie ausstieg. Innerhalb von nur drei Jahren wurden alle vier AKWs still gelegt.
Enel jedoch importiert in großem Maße Atomstrom aus dem Ausland und will nach Angaben der italienischen Umweltorganisation Campagna per la Riforma della Banca Mondiale (CRBM) in den nächsten fünf Jahren fast acht Mrd. Euro in Atomkraft investieren. Der Stromkonzern will vor allem seine Position in Osteuropa festigen. Nicht nur in Russland – der Konzern hat gerade ein Kooperationsabkommen mit der russischen Nuklearindustrie abgeschlossen und will den Stromanbieter OGK-5 übernehmen – auch in der Slowakei und Bulgarien setzt Enel auf veraltete Atomtechnik.
In der Slowakei hat Enel die Mehrheit des AKW-Betreiber Slovenské Elektrárne (SE) gekauft und baut zwei neue Reaktoren in Mochovce, die 2012 ans Netz gehen sollen. Der Anfang der 90er Jahre begonnene Bau wurde aus Geldmangel nie fertig gestellt. Die Reaktoren sind vom Typ WWER 440-213, einem veralteten sowjetischen Reaktortyp aus den frühen 70er Jahren. Die Sicherheitsbedingungen sind katastrophal: Die beiden Meiler sollen entgegen gängiger Sicherheitsnormen keine Containment-Schutzhülle erhalten, eine vom EU-Recht vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wurde mit Verweis auf die Entscheidungen aus kommunistischer Zeit umgangen. Ein Flugzeugabsturz auf das Atomkraftwerk würde eine nukleare Katastrophe auslösen – und das in unmittelbarer Nähe zu Städten wie Bratislava, Budapest und Wien, die nicht einmal 200 km von Mochovce entfernt liegen.
Mit Belene in Bulgarien hat sich ENEL ein besonders gefährliches Atomprojekt ausgesucht: Belene liegt in einem Erdbebengebiet. Beim letzten Erdbeben vor 30 Jahren starben 120 Menschen nur 14 Kilometer vom geplanten AKW-Standort entfernt. Die ersten Bauarbeiten fanden noch zu Sowjetzeiten statt, doch wegen anhaltender Proteste, Sicherheitsbedenken und der fragwürdigen Wirtschaftlichkeit des AKWs wurden sie 1991 eingestellt. Seit 2003 verfolgt die bulgarische Regierung das Projekt neu. ENEL scheut kein Risiko und will sich, genau wie E.ON und RWE, mit 49 Prozent an Belene beteiligen.
„Wie kann es der italienische Staat zulassen, dass der Stromkonzern ENEL in der EU Atomkraftwerke bauen will, die gängige EU-Sicherheitsvorschriften nicht erfüllen“, fragt Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation urgewald, die den Protest in Berlin organisiert. „Das ist russisches Roulette auf Kosten der Gesundheit von Millionen von Menschen. Italien muss seinen gesetzlich verankerten Atomausstieg ernst nehmen und dafür sorgen, dass sich Enel nicht an diesen gefährlichen AKW-Bauten beteiligt.“
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