Keine Mehrheit für Belene im RWE Aufsichtsrat
Auf der gestrigen Sitzung des RWE-Aufsichtsrats sollte der Einstieg in das umstrittene bulgarische Atomkraftwerk Belene genehmigt werden. RWE-Chef Jürgen Grossmann konnte sich mit diesem Plan jedoch nicht durchsetzen. Zu groß waren die Bedenken der Gewerkschaftsvertreter und der kommunalen Anteilseigner im Aufsichtsrat. Da sich keine Mehrheit für das Projekt finden ließ, wurde die Entscheidung über eine RWE-Beteiligung vertagt.
„Das ist der Anfang vom Ende des Projekts," sagt Heffa Schücking von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald. „Während der letzten Wochen ist die Kampagne gegen das Erdbeben-AKW auch in den Kommunen angekommen. Dort dürfte es zunehmend schwieriger werden, das Projekt gegenüber der Öffentlichkeit zu rechtfertigen." Am letzten Freitag fanden bereits Mahnwachen rund um die Rathäuser in Essen, Mülheim und Dortmund statt und über 10.000 Protestpostkarten wurden an die Oberbürgermeister dieser Städte (die zugleich Mitglied im RWE-Aufsichtsrat sind) übergeben. „Wir werden weitermachen," sagt Till Redenz von der Heim-statt Tschernobyl, eine der vielen Organisationen, die sich an den Mahnwachen im Ruhrgebiet beteiligt haben. „Viele Bürgerinnen und Bürger sorgen sich um die Risiken der Atomkraft. Sie hätten keinerlei Verständnis dafür, wenn ausgerechnet ihr Oberbürgermeister für ein Vorhaben stimmt, das die Gefahr eines zweiten Tschernobyls in Europa drastisch verschärft."
„Herr Grossmann würde gut daran tun, das Belene Projekt so schnell wie möglich aus seinen Investitionsplänen zu streichen," sagt Schücking. „Mit Investitionen in erneuerbare Energien in Osteuropa könnte er punkten. Mit einer Beteiligung an unsicheren Atommeilern fügt er dem Konzern einen großen Imageschaden zu." Schließlich sei nicht nur der Aufsichtsrat skeptisch. In den letzten Monaten haben über 13.000 Bürgerinnen und Bürger Briefe und Petitionen an den RWE-Chef geschickt. Ihre Botschaft war einhellig: FINGERWEG von Belene!
Hintergrund:
Umweltorganisationen halten Belene für eines der gefährlichsten Atomkraftwerke, die derzeit
in Europa geplant werden. Sie verweisen auf die bewegte Geschichte des Vorhabens, das
Anfang der achtziger Jahre konzipiert und nach der Demokratisierung Bulgariens zunächst
eingestampft wurde. 1983 warnten selbst sowjetische Wissenschaftler vor dem Bau eines
Atomkraftwerks an diesem Standort. Schließlich ist die Region um Belene 1977 von
einem starken Erdbeben erschüttert worden und nur wenige Kilometer vom geplanten AKW-
Standort sind viele Gebäude zusammengestürzt und 120 Menschen umgekommen.
Auch der ehemalige Chef der bulgarischen Atomaufsicht, Dr. Georgui Kastchiev, kritisiert
das Projekt. Er berichtet, dass er im Juni 2008 RWE eindringlich vor einer Investition in
Belene gewarnt habe. „Belene stellt ein nicht tolerierbares Sicherheits- und Umweltrisiko dar.
Die fehlende Betriebserfahrung mit dem geplanten Reaktortyp, der Mangel an qualifiziertem
Personal und effektiven Kontrollen wird zweifellos zu schlecht ausgeführten Bauarbeiten
führen," sagt er. „Wenn man das hohe seismische Risiko der Bauregion und die mangelnden Sicherheitsstandards in Bulgarien zusammenzieht, kann man nur zu einem Schluss kommen: Dieses Projekt darf nicht weitergeführt werden."
Weitere Informationen, Bildmaterial sowie ein ausführliches Briefing über Belene erhalten Sie bei:
Heffa Schücking, Urgewald: 0160-96761436, heffa@urgewald.de
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