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David besiegt Goliath – Historischer Sieg im Landrechtskonflikt für brasilianische Tupinikim und Guarani
Ende August kam die überraschende und zugleich erlösende Nachricht. Nach jahrzehntelangem – oftmals aussichtslos erscheinendem Kampf – hat der brasilianische Justizminister den Tupinikim und Guarani im brasilianischen Bundesland Espírito Santo 18.000ha Land offiziell zugesprochen.
„Damit erfüllt sich unser Lebenstraum“, äußert sich Jonas do Rosário, Häuptling des Tupinikim-Dorfes Irajá begeistert. Das gesamte Dorf habe die Entscheidung des Ministers mit großer Freude aufgenommen und schmiedet jetzt Pläne für den Wiederaufbau ihrer ehemaligen Wohnstätten. Diese waren in den 70er Jahren durch das Zellstoffunternehmen Aracruz zerstört und in eine Wüste von Eukalyptusbäumen umgewandelt worden.
Tupinikim und Guarani kämpften um ihr Land

Seit der Ankunft des Zellstoffunternehmens Aracruz in der Region Anfang der 70er Jahre und der damit einhergehenden Bepflanzung breiter Landstriche mit Eukalyptusplantagen streiten die Indigenen mit dem Konzern um ihr Land. Bis zu ihrem jetzigen Sieg mussten sie viele Niederlagen in Kauf nehmen und einen langen Atem beweisen. 1983 gelang es ihnen erstmals, einen Rechtsanspruch auf einen Teil ihrer Ländereien zurückzuerhalten. 4500ha wurden ihnen damals zugesprochen. Ein weiteres Jahrzehnt und viele – z.T. sehr gewaltsame - Auseinandersetzungen später sprach der brasilianische Staat ihnen schließlich weitere 2500ha zu. Der Zellstoffkonzern versuchte dabei in all den Jahren, die indigenen Landrechtsansprüche als illegitim darzustellen und die Indigenen stattdessen mit kleinen Geldzahlungen oder Hilfsprojekten zu befrieden. Doch die Tupinikim und Guarani ließen nicht locker...
Auf einer Vollversammlung 2005 entschieden sie sich, den Kampf um die verbleibenden 11.000 ha Land gegen den Zellstoffgiganten erneut aufzunehmen. Da sich die nationale Regierung damals noch weigerte, ihnen ihre Landrechte zuzusprechen, setzten sie auf Eigeninitiative. Sie besetzten „ihre“ 11.000ha Land, holzten die dort stehenden Eukalyptusbäume teilweise ab und begannen damit, ihre alten Dörfer wieder aufzubauen. Sowohl der Konzern Aracruz wie auch die Polizei ließen sie zunächst gewähren. In einer sehr gewaltsamen Aktion zerstörte die Polizei jedoch einige Monate später die Dörfer wieder und vertrieb die Indigenen damit ein weiteres Mal von ihrem Land. Doch auch danach ließen sie sich in ihrem Kampfeswillen nicht brechen - sie protestierten weiter für ihr Recht – ein Durchhaltevermögen, das jetzt endlich mit der Rückgabe ihres Landes belohnt wurde.
Das Zellstoffunternehmen Aracruz zeigte sich „überrascht“ über die ministerielle Entscheidung – wusste es doch in all den Jahren eine Vielzahl der lokalen und regionalen politischen Eliten und Medien hinter sich sowie die führenden Unternehmen der Region. Doch all diese wirtschaftliche Macht mitsamt immer neuer dubioser Studien und Denunziationen gegen die Indigenen nutzte ihnen in diesem Fall nicht, die rechtmäßige Rückgabe des Landes an die Indigenen zu verhindern.
Der Streit zwischen Aracruz und Indigenen ist damit jedoch noch nicht ganz zu Ende. Die Entscheidung des Justizministers muss jetzt noch von Präsident Lula betätigt und praktisch umgesetzt werden. Eine Schwierigkeit liegt darin, dass Aracruz, Indigene und Regierung sich jetzt über mögliche Entschädigungszahlungen für den Konzern einigen müssen. Letzterer will sich die noch auf Indigenen-Land stehenden Eukalyptusbäume teuer bezahlen lassen – wohl wissend, dass er in den 70er Jahren die Wälder zerstört hat, von denen die Indigenen damals gelebt haben. Bleibt zu hoffen, dass diese Verhandlungen nicht in einem jahrelangen Rechtsstreit münden....
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